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Leere

Ich weiss nicht warum, aber ich fühle mich momentan Leer. Schon das ganze Wochenende lasse ich mich einfach nur treiben. Reagieren statt agieren. Egal wo ich hingehe, egal was ich mache, ich fühle mich fehl am Platz. Ich bin nicht traurig, aber auch nicht glücklich. Ich gehe unter Menschen, und fühle mich doch alleine. Und wenn ich an die Arbeit denke, empfinde ich nur grauen. Immer wenn es scheinbar gut läuft, überwältigen mich meine Gedanken derart, dass ich kaum imstande bin morgens aufzustehen.

Das Loch in dass ich gerade wieder Falle ist nicht immer da, aber es kommt immer wieder. Ich sehe es dann mit rasender Geschwindigkeit auf mich zukommen, doch da es so groß ist, gelingt das Ausweichen nur selten. Ich habe noch nie jemandem Erzählt, wie es mir wirklich geht – dass ich das hier niederschreibe ist das erste mal, dass ich es überhaupt versuche in Worte zu fassen.

„Du kannst das alles nicht!“
„Du machst eh alles falsch!“
„Du bist nichts wert!“
„Du bist für alle nur ne Last, und keine Hilfe!“

Dass das alles nicht Stimmt – zumindest großteils – ist mir selbst bewusst. Dass ich Freunde habe, auf die ich bauen kann. Dass ich Eine Mutter habe, die gütiger nicht sein könnte. Dass ich eine Schwester und einen Bruder habe, die sofort springen würden, wenn ich um Hilfe schreie. Das alles ist mir bewusst, ändert aber nichts daran, dass die Gedanken in meinem Kopf so laut schreien, dass es mich fast zu lähmen scheint.

Und so flüchte ich immer wieder in mein Bett, denn im Schlaf höre ich die Gedanlen nicht. Oder in die virtuelle Welt, denn da fühle ich mich nicht ganz so unfähig, oder vor die Tür um eine zu Rauchen, denn das leise Knistern der Zigarette, und das warme Gefühl in der Lunge beruhigt mich ungemein…

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Rückfall?

Und da sitze ich wieder, gelangweilt angesichts des niedrigen Arbeitsaufkommens. Ich klicke mich durch E-Mails, recherchiere diverse Dinge im Netz, spaziere vor dem Arbeitsplatz auf und ab, und spiele mit diversen Kleinigkeiten, die um meinen Arbeitsplatz verteilt liegen. Die magnetische Kappe von meiner Webcam, der kleine abgebrochene Kreuzschraubendreher, die true wireless Earbuds, die ich schon lange zur Reparatur einsenden wollte.

Als ich das Sturmfeuerzeug in den Händen halte, überkommt mich jedoch kurz das Verlangen. Wie lange habe ich es nicht mehr gehört, dieses leise Knistern beim Anzünden. Dieser warme Hauch, der einem den Hals streichelt. Dieser nussig rauchige geschmack auf den Lippen, und diese 5 Minuten wohilger Ruhe während der Zigarette. Vielleicht irgendwann, doch nicht heute. Nicht Heute…..

Es ist nun schon 5 Monate her, meine letzte Zigarette. Grundsätzlich habe ich keine Schwierigkeiten damit, nicht zu rauchen. Selbst unter Freunden, wenn der eine oder andere seine Zigarette zum Bierchen raucht, kann ich das ganz gut ignorieren. Aber manchmal überkommt einen trotzdem dieses Verlangen. Diese Lust darauf, Tabak zwischen etwas Papier zu drehen, und genüsslich eine zu Rauchen. Geht das irgendwann weg, oder bleibt das nun für Immer?

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Portugal Tagebuch

Winter is coming…

…also so ein bisschen. Tagsüber erreicht es hier in Portugal mittlerweile nur noch sehr selten die 20°C. Ende der Woche werden es Tagsüber gar nur noch 15 bis 16°C. Des Nachts haben wir Temperaturen zwischen 10 und 13°C. Sobald die Sonne den Horizont küsst, wird es schlagartig frisch.

Ich habe heute das erste mal seit meiner Ankunft eine lange Hose zur Arbeit angezogen. Die Blicke der Portugiesen, die hier schon seit fast einem Monat mit dicken Jacken und Mützen rumlaufen, gingen mir aber auch langsam auf die Nerven. Eine Arbeitskollegin meinte heute zu mir: „Oh, es wird wirklich Winter!“ als Sie mich mit langen Klamotten gesehen hat.

Die Portugiesen jedenfalls sind bei 16°C schon am frieren und verlassen morgens in Klamotten das Haus, die in Deutschland an einem durchschnittlichen Wintertag getragen würden. Aber wer mich kennt, der weiss, dass ich bezüglich Temperaturen der falsche Ansprechpartner bin.

Laut einigen Kollegen, die schon den einen oder anderen Winter hier verbracht haben, wird es tagsüber meist zweistellig, Zwischen Januar und Februar wird es dafür extrem nass. Da bin ich mal gespannt – ich sollte mir vielleicht eine Regenjacke kaufen gehen….

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Und wieder…

Und wieder einmal habe ich meinen Blog nach nur einer kurzen Phase der Aktivität vernachlässigt. Eigentlich wollte ich mindestens einen Beitrag pro Woche raushauen – ursprünglich sogar mehr. Und wieder habe ich es geschafft das Projekt mehrere Wohen brach liegen zu lassen.

Daher hier, während ich dann mal wieder einen anderen Beitrag vorbereite ein langweiliges „Liest, Schaut, Hört, Spielt“ 😀

LESESTOFF:

Ich lese immernoch das großartige „Ein Gutes Omen“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Leider taste ich mich hier aktuell nur ein Kapitel pro Woche vor, aber an dieser Stelle nochmal Danke an den Schenker! Die Serie ist übrigens auch sehr empfehlenswert!

Ansonsten habe ich „Don’t Panic: Douglas Adams and the Hitchhiker to the Galaxy“ von Neil Gaiman verschlungen. DIe Geschichte über den Anhalter, über das Leben von Douglas Adams und darüber, dass es gar nicht so einfach ist etwas zu erledigen, wenn es von einem erwartet wird.

HÖRSTOFF:

Surviving von Jimmy Eat World – Tolle Musik, wie immer. Konsequente Weiterentwicklung der Musik, ohne die ursprüngliche Identität zu verlieren. Ich höre das aktuell hoch und runter.

Native Tongue von Switchfoot – zwar entfernen sich Switchwood weiter von Ihren Rock-Wurzeln, doch mir gefällt das neue Album sehr gut. Musikalisch irgendwo zwischen Imagine Dragons und den aktuellen Sachen von Panic at the Disco.

SEHSTOFF:

Wer den großartigen Joker noch nicht gesehen hat, sollte sich sputen!
Ansonsten bin ich momentan kaum am Serien oder Filme schauen.
Beim großartigen Big Mouth (von Netflix) warte ich auf die 4. Staffel. Der harte unter-der-gürtellinie-angesiedelte-PENIS-Humor ist aber auch nicht jedermanns Sache.

SPIELSTOFF:

The Outer Worlds – Ein Rollenspiel aus der Ego-Perspektive, dass extrem an Fallout erinnert. Die Story war leider in ca 25h durch, aber der Wiederspielwert ist recht hoch. Beim nächsten Durchlauf lasse ich mir mehr Zeit. Für Fans von tollen Dialogen, Humor und liebenswerten Charakteren einen Blick wert, zumal es im XBOX Game Pass für PC für nur 3,99€ einen Monat lang gespielt werden kann.

Bald kommt Red Dead Redemption 2 für den PC (eigentlich sogar heute), doch da die Steam-Version noch auf sich warten lässt habe ich derweil nochmal GTA5 angefangen.

Ansonsten warte ich weiter auf Cyberpunk…

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Portugal Tagebuch

Zungenknoten und Untertitel

Hier in Portugal ist alles etwas langsamer, etwas gediegener.
Die Leute scheinen weniger zu hetzen, und wenn etwas mal länger dauert, dann ist das halt so. Auch die Bürokratie funktioniert hier anders und langsamer. Wo in deutschland alles lange dauert, da alles absolut genau und bestenfalls in 10-facher Ausführung gemacht wird, lässt man sich hier einfach Zeit bei allem. Wenn ich hier auf dem Heimweg noch durch den Supermarkt gehe, renne ich regelmäßig andere Kunden um, die durch den Laden schlendern.

Doch dann machen die Portugiesen den Mund auf, und alle Energie, die die Portugiesen so im alltäglichen Leben sparen wird in 1-2 Sätze gelegt. Teilweise sprechen die so schnell, dass Sie ihre eigene Zunge verknoten und man nichtmal die hälfte der gesprochenen Worte versteht.
Nicht das ich jetzt schon ansatzweise Portugiesisch sprechen könnte. Bitte, Danke, Entschuldigung, gern geschehen. Guten Tag, guten Abend, gute Nacht und Wie geht’s?

Darüber hinaus noch ein paar namen von Lebensmitteln – mehr kann ich noch nicht. Die meissten Protugiesen wechseln auch sofort auf englisch, wenn die meine bemitleidenswerte Aussprache hören.

Doch irgendwie ist mein Bedürfnis die Sprache zu lernen auch genau deswegen etwas gemindert. Ich komme hier hervorragend auf Englisch durchs Leben. Da hier Filme und Serien zum größten Teil nicht synchronisiert werden, sondern zumeist mit Untertiteln ausgestrahlt (oder auch im kino gezeigt) werden. Nur Inhalte, die vorwiegend an Kinder gerichtet sind, werden hier komplett vertont.

So kam ich in den Genuss am Samstag Ad Astra (mehr dazu hier) im englischen Original (mit portugiesischen Untertiteln) im Kino zu sehen. Leider werden die Trailer entsprechend angepasst, so dass ich zwar englische Originaldialoge in den gezeigten Szenen höre, aber die Einlendungen auf portugiesisch sind. So ist dies beim neuen Rambo nicht weiter tragisch und recht selbsterklärend. Bei dem zweiten Trailer, den wir zu gesicht bekommen haben, kann ich aber noch immer nicht sagen, worum es eigentlich gehen sollte.

Ich freu mich aber jetzt schon, den neuen Joker und ende des Jahres auch den neuen Star Wars gefahrlos im Kino anschauen zu können, ohne Angst am Ende nix zu verstehen.

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Ad Astra

Ich war mal wieder im Kino. Ein Arbeitskollege hat mich gefragt, ob ich Lust auf den Film habe. Hatte bisher jedoch noch gar nichts davon gehört, da ich seit Anfang August nur wenig Filmtrailer geschaut habe, und entsprechend keine Ahnung habe, was in den nächsten Wochen und Monaten so alles im Kino kommt. Bis auf die Kurze Info „Science Fiction“ und wohl nen bisschen in Richtung „Gravity“ wusste ich also vor meinem Kinobesuch nur, dass Brad Pitt die Hauptrolle übernimmt.

Ich denke dass diese quasi nicht existente Erwartungshaltung den Film für mich umso besser gemacht hat. Ich habe nichts erwartet, hatte keine Ahnung von der Prämisse oder welche Gesichter eventuell noch autauchen. So entwickelte sich die Reise von Roy McBride (Brad Pitt) in einem sehr langsamen aber doch etsprechend Angenehmen Tempo. McBride wird auf eine Mission geschickt, um seinen Helden zu finden. Das ganze wird hierbei extrem realistisch und Glaubwürdig (bis auf eine Ausnahme) dargestellt, so dass die Reise insgesamt fast ein jahr dauert und die Einsamkeit und Leere des Weltraums hart an den Nerven von McBride und auch dem Zuschauer nagt (im positiven Sinne).

Der Film bietet grandiose Bilder – hier wurden teilweise echte Aufnahmen von Mond und Mars verwendet – und der Soundtrack erinnerte zumindest mich stellenweise an die musikalische Untermahlung von Blade Runner 2077.

Nach den 2 Stunden im Kino bin ich jedenfalls zufrieden und ohne reue aus dem Kino gegangen. Jeder, der Gravity langweilig fand oder allgemein eine Allergie gegen realistische Science Fiction hat, sollte einen bogen um den Film machen. Alle anderen finden hier tolle Bilder zu einer Geschichte, die durch einen hervorragenden Brad Pitt getragen wird.

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Portugal Zitate

Ein Monat schon!?

Einen Monat lang bin ich nun schon hier in Lissabon. Das Ganze scheint immernoch etwas unwirklich für mich, auch wenn teilweise bereits Routine in den Alltag einkehrt. Ich habe mittlerweile meine feste Morgenroutine, den Weg zur Arbeit finde ich im Schlaf. Nach hause finde ich mittlerweile auch mitten in der Nacht – egal ob mit Bus und Bahn oder zu Fuß.

Ich habe mittlerweile ein Stammlokal, kenne ne handvoll netter Restaurants und Imbisse, und einen Trupp aus Arbeitskollegen, mit dem man – sofern man denn mag – gut um die Häuser ziehen kann. Auch wenn ich das nicht jeden Tag mitmache, der Leber zuliebe.
Jeden Morgen kann ich den Sonnenaufgang über dem Tejo sehen. Aktuell liegen Sonnenaufgang und der Weg zur Arbeit sehr günstig. Auf dem Weg nach Hause husche ich dafür meist von Schatten zu Schatten, da es in der Nachmittagssonne doch etwas sehr warm werden kann.
Und so gut das da oben alles klingt, gibt es doch immer wieder momente, da vermisse ich Marburg und vor allem meine Freunde. Dieses Leben hier in Lissabon ist wirklich wunderbar, doch es wäre noch geiler, wenn einfach alle herkommen würden, und wir zusammen Bairro Alto unsicher machen, den Sonnenauf- und Untergang genießen, oder auch einfach nur unsere Lebern zerstören könnten. Das Ganze scheint immernoch etwas unwirklich.

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Portugal Tagebuch

Monatskarte

So langsam gewöhne ich mich an das Land und die Leute hier. So langsam gehe ich vor die Tür und realisiere, dass ich jetzt erstmal ein weilchen hierbleiben werde, und nicht in ein paar Tagen der Flieger aus dem Urlaub nach Hause startet. Der Arbeitsalltag hat mich noch nicht ganz. Natürlich musste ich erstmal in eine Schulung – und Schulungen vermitteln zwar ganz viel, aber Arbeitsalltag ist was anderes.

Der Arbeitsalltag wird voraussichtlich Dienstag beginnen, und auch dann ist alles noch herantasten und ausprobieren, wie man die aufgetragenen Aufgaben am besten erledigen kann. Dennoch ist so langsam etwas Routine rein gekommen. Den Weg zur Arbeit finde ich im Schlaf, ich weis wo ich alles fürs tägliche Leben einkaufen kann, und ich kenne mich in meiner direkten Umgebung so weit aus, dass ich nicht mehr alle 10 Minuten auf Google Maps nachschauen muss.

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, mir die Stadt etwas genauer anzuschauen, da ich meine Monatskarte noch nicht habe. Hier am Automaten gibt es statt einzelnen Tickets eine Pappkarte mit RFID Chip. Diese Karte kannst du ein Jahr lang nutzen – wenn das dünne Papp-Dingen denn solange überlebt – und mit Tickets oder Geld aufladen. Die Fahrt im Bus kostet damit nur 1,50€ statt 2,00€ direkt beim Fahrer. Leider muss ich dann aber für Metro, Fähre oder Straßenbahn jedesmal ein weiteres Ticket ziehen. Für den Weg zum Strand kommen so locker mal 10 bis 12€ zusammen. Und man möchte dann ja auch wieder zurück.

Die Monatskarte gibt es hier in 2 Geschmacksrichtungen. Einma für die Stadt selbst, und einmal inklusive allen Bezirken im Großraum Lissabon. Letztere kostet 40€ und das einzige das fehlt, ist dass auch Uber und Taxi mit drin sind. Dieses Ticket kann man jedoch nicht auf die Pappkarten laden, sondern man braucht eine persönliche Fahrkarte, deren Beantragung bis zu 14 Tage dauern kann. Es ist zwar möglich an 2 Metrostationen die Karte auch binnen 24 Stunden zu erhalten, doch da muss man auch erstmal hinkommen.

Ich werde voraussichtlich Mittwoch meine Monatskarte erhalten, und dann auch andere Teile der Stadt als nur meine direkte Umgebung und alles um meine Arbeitsstelle unsicher machen. Danach wirds vielelicht auch wieder mehr Geschichten zu erzählen geben.

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Der Bus zur Anmeldung

Busfahren in Portugal ist fast so wie in Deutschland. Nur etwas anders.
Ich musste heute nach Loures, um mich in Portugal anzumelden und meine Steuernummer zu beantragen. Gottseidank wurde ich hierbei durch jemanden von meinem Arbeitgeber unterstützt. Bis zum Meldeamt musste ich jedoch selbst fahren.

Bisher bin ich zwar auch jeden Tag mit dem Bus gefahren, doch wie bereits erwähnt ging es immer der Starthaltestelle zur Endhaltestelle der Linie. Der Bus hielt also immer an meiner Station, egal was ich oder andere Mitfahrer gemacht haben.

Diesmal war ein Umstieg angesagt. Also mit meinem üblichen Bus ein Stück in die Stadt gefahren. Bis zum Zwischenstopp lief das auch wie gewohnt – Rechtzeitig den Stop-Knopf gedrückt, der Bus hat gehalten und ich konnte aussteigen.
Ein paar Meter weiter dann an der Bushaltestelle gewartet, an der mein Anschluss-Bus fahren sollte. Nach ca. 5 Minuten raste der entsprechende Bus auf die Haltestelle zu. Also drehe ich mich um, und steuere die Position an, an der ich die Tür nach der harten Bremsung erwarte, die der Fahrer bei der Geschwindigkeit hinlegen muss. Dann sehe ich nur noch die Rückleuchten des Busses, der einfach an der Haltestelle vorbeigerauscht ist.

Da fällt mir ein Beitrag ein, den ich vor meine Abreise aus Deutschland über den öffentlichen Nahverkehr in Portugal gelesen habe. Nur weil jemand an der Bushaltestelle steht, heisst das nicht, dass der Bus anhält. Man muss den Busfahrer immer darauf aufmerksam machen, dass man mitfahren – oder später eben wieder aussteigen will. Sonst darf man an der Haltestelle auf den nächsten Bus warten, der in die richtige Richtung fährt.

Ich bin nicht direkt in Lissabon untergebracht. Die Stadt in der ich Wohne heisst Loures, der Ortsteil Prior Velho. Um mich anzumelden muss ich daher auf das Meldeamt direkt in Loures. Von meinem Wohnort ist das knapp 9 km entfernt. Je weiter wir fahren, umso ländlicher wirkt alles um uns herum. Die Hochhäuser weichen kleineren Mehrfamilienhäusern. Man sieht zwischen den Häusern immer mehr Grünflächen und dschungelartige Wäldchen. Als wir einen kleineren Hügel passieren, eröffnet sich ein Toller Blick über das Tal in dem Loures liegt. Hier ist alles deutlich weniger dicht besiedelt. In der Mitte des Tals fließt ein kleiner Fluß. Leider läuft parallel auch eine Schnellstraße, die das Landschaftsbild ein wenig trübt.

Das Meldeamt ist in einer großen Shopping Mall. Wöhrend man das Konzept der Shopping-Zentren mittlerweile auch in Deutschland verfolgt, kannte ich diese Größenordnung bisher nur aus amerikanischen Filmen und Serien. Es dauert knapp 15 Minuten, dann halte ich meine Meldebescheinigung in der Hand. Nun bin ich offiziell in Portugal angekommen. Als nächstes geht es noch zum Finanzamt, meine Steuernummer beantragen. Danach geht es mit dem Bus zurück nach Lissabon.

Als der Bus so einfach an mir vorbeigebrettert ist, war ich erstmal total perplex. An die Handzeichen muss ich mich noch gewöhnen, ich denke das wird nicht das letzte mal sein, dass ich den Bus vorbeifahren lasse. Ansonsten bin ich nun tatsächlich in Portugal gemeldet und habe meine Steuernummer. Aber so richtig angekommen fühle ich mich noch nicht. Derzeit bin ich noch gefühlt bei 40% Urlaub und 60% „ich lebe jetzt hier“.

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Portugal Tagebuch

Alfama

„Eigentlich wollte ich ja mal so richtig ausschlafen“, denke ich mir, als ich um 5.34 Uhr auf mein Handy schaue. Selbst nach deutscher Zeit wäre das noch viel zu früh um überhaupt aufzustehen. Nach einigen Drehungen um die eigene Achse und dem Verknoten der Bettdecke mit meinen Gliedmaßen kletter ich um kurz nach 6 dann doch aus dem Bett. Einen Kaffe und ein Sandwich später, mache ich mich erstmal an meinen Laptop. Es ist erstaunlich, wie oft ich beim Schreiben der Texte irgendwas im Internet nachschauen wollte, nur um dann festzustellen, dass das WLAN noch so unnütz ist, wie alkoholfreies Radler.

Gegen 12 mache ich mich wieder zum Bus auf. Heute möchte ich mal Seite 1 der Google Bildersuche zum Suchwort Lissabon sehen, nur eben in echt.
Ein kurzer Blich auf die Karte zeigt jedoch, dass das wohl ein mehrere Wochenenden andauerndes Projekt werden wird. Dennoch ist die Altstadt – also Alfama. Da ich die Buslinien und die Metro noch nicht ganz durchschaut habe, fahre ich erstmal zur Estação do Oriente. Also ich aus dem Bus komme, stolpere ich fast über einen LIME-Roller. Da ich die App noch installiert (und mit der Kreditkarte meines Bruders verknüpft habe) schnappe ich mir den Roller. Code gescannt, bestätigt, kurt auf die Karte geschaut und dann vollgas – und ja, natürlich habe ich meinen Bruder vorher informiert!

Ich fahre mit dem Elektro-Scooter direkt am Tejo entlang. Am Anfang erstrecken sich neben mir noch große Bürogebäude, ein Kasino, und dann recht teuer aussehende Wohngebäude. Links zieht eine durch die Ebbe recht sumpfige kleine Bucht, und dann die Marina de Lisboa an mir vorbei, hier stehen viele Boote, die meisten davon sehen nicht unbedingt nach Discount-Ware aus. Nach einigen kleinen Cafés und ein paar Restaurants am Wasser ändert sich das Bild. Der Weg wird uneben, und ich fahre an vielen teilweise sehr heruntergekommenen Lagerhallen vorbei. Links parkt ein großes Schiff. Es sieht aus wie ein Passagierschiff, dass hier neben den Lagerhallen jedoch völlig deplaziert wirkt. Ein Stückchen weiter dann ein Neubaugebiet. Hier werden scheinbar Luxusapartments gebaut. Von den 3 Gebäuden sieht aber erst eins fertig aus. Innen sind alle 3 noch leer – dafür ist der Park schon sehr ansehlich. Die Wiesen im Park werden aktuell gewässert. Einige der Spränkler sind nahe des Fahradweges, über den ich gerade fahre – eine willkommene Erfrischung bei 31°C. Leider muss ich an der Stelle ein wenig vom Wasser wegfahren. Rechts ist eine 4 spurige Straße, die von Alfama bis nach Parque das Nacoes führt – das ist dort, wo ich arbeiten werde. Links erstrecken sich viele Lagerhallen und Lastenkräne. Der Frachthafen von Lissabon. Hier scheint der Sonntag jedoch auch heilig, denn bis auf einige andere Fahrad und Rollerfahrer sehe ich niemanden. Auf der rechten Seite wechseln sich neue Gewerbegebäude mit fast zerfallenen Wohn- und Fabrikgebäuden. Man sieht Lissabon an vielen Stellen an, dass es gerne eine moderne und saubere Stadt wäre, es sich aber doch nicht alles auf einmal leisten kann.

Nach ca. 4,75€ – also 8,65 km in ca 25 Minuten sehe ich das erste mal ein von Google bekanntes Panorama. Vom Hafen aus schaue ich hoch in die Alfama. Ein schöner Ausblick. Also Roller abgestellt, und einmal hoch zum Panteao Nacional. Vom dort aus bin ich ein wenig durch die engen kleinen Gassen gewandert. Wer dachte in Marburg gibt es viele Treppen, war noch nie in Lissabon!
Nach einer knappen Stunde hin und her und Foto hier und Foto da, brauchte ich mal eine Pause. Ausserdem war der ursprüngliche Plan ein Café mit WLAN zu finden, dort einen Kaffe und vllt ein Toast oder ein Stück kuchen zu bestellen und dann mal den Laptop anzuschmeissen um 1. diese Beiträge hier hochzuladen und zu planen, und zweitens eventuell eine Netflix Serie für die Abendlichen Stunden ohne Internet herunterzuladen.

Nach kurzer Suche habe ich auch ein entsprechendes Kaffee gefunden. Der bestellte Cappuchiono war zwar eher ein Mokka mit Milch, aber hauptsache Koffein. Dafür war das Thunfisch-Sandwich sehr gut. Leider war das WLAN nicht sehr flott, so dass es zwar für eine Aktualisierung meiner Spotify-Playliste gereicht hat, aber Netflix ist nicht über die Meldung „Wird bald heruntergeladen“ hinausgekommen.

Also noch ein wenig durch die Gassen gestreift. Da mir jedoch bald der Schweiß von der Stirn tropfte wollte ich mich auf den Heimweg machen. Wieder einen der Roller geschnappt, und die gleich Strecke zurückgefahren. Unterwegs ein kleines Rennen gegen einen Fahradfahrer gewonnen – später sollte er mich jedoch wieder einholen.
Die Lime-S Roller hier in Lissabon scheinen einen Tick schneller zu sein, als die Geräte in Stockholm. Selbst mich haben die Roller locker mit 24km/h durch die Stadt getragen, nur bei stärkeren Steigungen musste ich mich mit 18 bis 20 km/h begnügen. Nach Hause wieder mit dem Bus. Ich bin diesmal zwar nur knapp 8km gelaufen, die 17km auf den Rollern haben mich aber auch ganz gut durchgeschüttelt. Zurück im Apartment bin ich erneut nur ins Bett gefallen. Morgen beginnt meine Schulung, und damit der Ernst des Lebens für mich…

Das war mein Sonntag. Da ich am Montag fit sein wollte, hatte ich eigentlich mit nicht allzu viel geplant, war am ende aber trotzdem fast 5h in der Stadt unterwegs. Diese Zeilen tippe ich übrigens erst am Mittwoch, da ich Aufgrund der Schulung und Einkaufen und anderer Dinge nicht mehr so viel zum tippen kam. Aus Datenschutzgründen werde ich zu Schulung und Arbeit nur hier und da sporadisch etwas schreiben. Jedoch werde ich ab sofort irgendwie 1-2 mal die Woche ein spezielles Thema aufgreifen. Dies kann von speziellen Situationen (Supermarkt, Restaurantbesuch, etc) handeln, kann aber auch mal eher Tagebuch-ähnlichen Charakter haben – dann aber lange nicht so ausführlich wie mein erstes Wochenende. Folgt mir auf Instagram, oder schaut über den Link oben ab und an mal rein. Ich freue mich zudem über jeden Kommentar – und auch wenn ich nicht immer antworte, lese ich die alle! Liebe Grüße aus Lissabon!