Checking the perimeter

Mittwoch, August 21, 2019

Ich merke, dass ich für den ersten Tag alleine schon sehr viel Text aufgebracht habe, aber es war auch ein sehr langer Tag. Für den zweiten Tag fasse ich mich etwas kürzer – allgemein werde ich nicht alles so detailliert runterschreiben, wie den ersten Tag!

Es ist 6:54 Uhr als ich aufwache. Lissabon liegt in einer anderen Zeitzone als Deutschland. In Deutschland ist es schon 7:54 Uhr. Ich habe gut geschlafen. Einen Kaffee und ein Frühstücksbrot später überlege ich, was ich heute so anstellen könnte. Ich Packe meine Tasche und suche die nächstgelegene Bushaltestelle. Diese ist praktischerweise direkt hinterm Haus, der Fußweg dauert also keine Minute. Dänemark hat mich über die Kosten aufgeklärt. Einzelfahrt kostet im Bus 2€. Es gibt eine Monatskarte für 40€, mit der man in ganz Lissabon und an die umliegendem Strände fahren kann, doch die Beantragung kann bis zu 14 Tage dauern. Sie hat Ihre auch diese Woche erst beantragt und fährt derzeit noch für die üblichen 2€.

Ich will einmal den Weg bis zur Arbeit auskundschaften, damit ich am Montag keine Überraschung erlebe. Praktisch: Ich fahre quasi immer von Endhaltestelle zu Endhaltestelle. Die Linie beginnt also hinter meinem Haus, und endet am Ostbahnhof. Von dort aus muss ich keine 10 Minuten bis zu meinem neuen Arbeitsplatz laufen. Zurück das gleiche Spiel, vom Ostbahnhof bis zur Endhaltestelle hinter meinem Haus – das ist Praktisch.

Am Ostbahnhof zeigt Lissabon ein ganz anderes Bild, als in dem Wohnviertel in dem ich untergebracht bin. Hier stehen teuer aussehnde Hochhäuser, Bürogebäude, Museen und Theater. Alles sehr Modern, alles recht schnörkellos. Das Meer ist vom Ostbahnhof nur einen Block entfernt. Ich spaziere direkt am Tejo bis zum Oceanario de Lisboa und noch etwas weiter. die Wege sind mit vielen Bäumen bepflanzt, die den Spazierenden Schatten spenden. Es ist 28°C und eine leichte Briese weht durch die Gasse, dennoch wäre es ohne die Schatten wohl zu heiß für meinen Geschmack. Ein Stückchen weiter finde ich einen größeren Supermarkt. Davor parkt eine ganze Armada an Elektro-Rollern von Lime. So Einen bin ich in Stockholm bereits gefahren. In immer mehr europäischen Städten scheinen sich diese Dinger durchzusetzen. Leider akzeptieren viele noch kein Paypal, so dass man ohne Kreditkarte nichts davon hat.

Auf dem Rückweg finde ich noch eine Sammelstelle für Elektro-Fahrräder. Das Angebot schaut auch verlockend aus, doch ohne VAT Nummer)!(Steuernummer) kann man sich nicht registrieren. Diese habe ich jedoch (noch) nicht. Also bleibt mir weiterhin nur der Fußweg. Nach dem Mittagessen fahre ich wieder nach Hause, mittlerweile sind es 30°C und mein Körper weigert sich noch inständig, sich an das Klima zu gewöhnen. Ich hoffe das wird in den nächsten Tagen besser, sonst bin ich bis Ende August geschmolzen. Auf dem Heimweg halte ich nochmal im Supermarkt und Decke mich für den Rest des Wochenendes ein.

Irgendwann am frühen Abend höre ich das Schloss der Wohnung. Als ich den Flur betrete schließt eine weitere junge Frau gerade die Tür. Sie zuckt sichtbar zusammen, als ich ‚Hallo‘ sage. Sie schaut etwas verwirrt, und begrüßt mich dann aber auch. Sie war erst verwundert, warum ich davon ausgegangen bin, dass Sie deutsch spricht – aber Dänemark hatte mir ja bereits mitgeteilt, dass die andere aus Berlin stammt. Sie arbeitet eigentlich schon gar nicht mehr für unseren Arbeitgeber, aber da bei der Kündigung irgendetwas schiefgelaufen ist, wohnt Sie noch hier. Aber vermutlich nicht mehr lange, da Sie bestimmt bald rausgeschmissen wird. Sie ist 22 Jahre alt, und verdient sich derzeit als Stripperin ihren Unterhalt. Sie möchte am liebsten noch mehr von der Welt sehen, und sich dies mit dem strippen finanzieren. Ich bin etwas perplex, und mir auch nicht ganz sicher, dass sie das Ganze ernst meint, aber ich wünsche Ihr damit viel Erfolg. Warum auch nicht?

Gegen 20:45 soll die Sonne untergehen. Also mal schauen, ob ich ein paar tolle Fotos, oder gar ne Zeitrafferaufnahme vom Sonnenuntergang hinbekomme. Nur muss ich dazu erstmal ne gute Location finden. Musik auf den Ohren und das Stativ im Schlepptau mache ich mich auf den Weg. Unterhalb des Wohnviertels finde ich ein großes Gewerbegebiet. Ich laufe an vielen Autovermietern und Logistikfirmen vorbei. Die Flugzeuge, die westlich von mir starten werden immer lauter und immer größer. Dann sehe ich auf einer Hügelkuppe auch warum, ich befinde mich direkt an der Start- und Landebahn des Lissabonner Flughafens. Die Sonne wandert genau hinter diesem näher an den Horizont. Leider ist es durch den Zaun fast unmöglich schöne Aufnahmen zu bekommen. Also weiter richtung Osten. Ich wollte ja am liebsten das Wasser sehen. Leider gestaltet sich das hier auch als schwierig. Zwischen den Lagerhallen und Fabrikgebäuden kann ich immer wieder einen tollen Blick auf die Stadt bis zum Tejo erhaschen, doch durch die Zäune und Mauern bekomme ich nirgendswo einen guten Spot um das auch abzulichten.

Also zurück nach Prior Velho und auf der anderen Seite versuchen.
Hinter einem kleinen Tal – scheinbar ist da unten sogar so eine Art Staudamm – liegt ein weiteres Wohngebiet. Hier stehen deutlich kleinere Häuser. Die Straße ist zwar halbwegs sauber, doch Abseits der Straße liegt überall Müll herum. Bei genauerem Betrachten fallen an den Häusern überall Bretterverschläge und improvisierte Balkone samt Möbeln auf. Hier wohnt wohl eher die Unterschicht von Lissabon. Am Ende der Straße ist ein großer Hügel. Da ich mir eine tolle Aussicht verspreche, klettere ich einen Sandigen Pfad nach oben. Auf der Ebene hinter der Kuppe befindet sich das Ende der Start- und Landebahn. Die Sonne steht schon sehr Flach. Auf der anderen Seite kann ich bis zum Tejo sehen, jedoch versperren die Schnellstraße, einige Werbetafeln und ein paar Fabrikgebäude den Blick.

Schade, dachte ich mir. Mache trotzdem einige Fotos und mach mich wieder auf den Heimweg. So viel bin ich schon ewig nicht mehr gelaufen. Ich habe in den letzten 2 Tagen vermutlich mehr Kilometer zu Fuß zurückgelegt, als in den letzten 3 Monaten zusammen. Auch heute Nacht werde ich gut schlafen können.

Eigentlich wollte ich am zweiten Tag noch etwas mehr von der Stadt sehen, aber ich war dann einfach etwas kaputt. Ich muss mich noch an das Klima gewöhnen. Ich bin zudem zwischen 10 und 15km gelaufen, so viel wie schon seit ewigkeiten nicht mehr – auch daran muss ich mich erstmal gewöhnen. Ich tippe dies hier am Sonntag, und werde wohl gleich mal in die Altstadt von Lissabon aufbrechen. Wie bereits gesagt, Fotos findet Ihr auf meinem Instagram-Profil. Oben ist auch ein Link mit dem Ihr ohne eigenen Account alles sehen könnt.

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