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Ich merke, dass ich für den ersten Tag alleine schon sehr viel Text aufgebracht habe, aber es war auch ein sehr langer Tag. Für den zweiten Tag fasse ich mich etwas kürzer – allgemein werde ich nicht alles so detailliert runterschreiben, wie den ersten Tag!

Es ist 6:54 Uhr als ich aufwache. Lissabon liegt in einer anderen Zeitzone als Deutschland. In Deutschland ist es schon 7:54 Uhr. Ich habe gut geschlafen. Einen Kaffee und ein Frühstücksbrot später überlege ich, was ich heute so anstellen könnte. Ich Packe meine Tasche und suche die nächstgelegene Bushaltestelle. Diese ist praktischerweise direkt hinterm Haus, der Fußweg dauert also keine Minute. Dänemark hat mich über die Kosten aufgeklärt. Einzelfahrt kostet im Bus 2€. Es gibt eine Monatskarte für 40€, mit der man in ganz Lissabon und an die umliegendem Strände fahren kann, doch die Beantragung kann bis zu 14 Tage dauern. Sie hat Ihre auch diese Woche erst beantragt und fährt derzeit noch für die üblichen 2€.

Ich will einmal den Weg bis zur Arbeit auskundschaften, damit ich am Montag keine Überraschung erlebe. Praktisch: Ich fahre quasi immer von Endhaltestelle zu Endhaltestelle. Die Linie beginnt also hinter meinem Haus, und endet am Ostbahnhof. Von dort aus muss ich keine 10 Minuten bis zu meinem neuen Arbeitsplatz laufen. Zurück das gleiche Spiel, vom Ostbahnhof bis zur Endhaltestelle hinter meinem Haus – das ist Praktisch.

Am Ostbahnhof zeigt Lissabon ein ganz anderes Bild, als in dem Wohnviertel in dem ich untergebracht bin. Hier stehen teuer aussehnde Hochhäuser, Bürogebäude, Museen und Theater. Alles sehr Modern, alles recht schnörkellos. Das Meer ist vom Ostbahnhof nur einen Block entfernt. Ich spaziere direkt am Tejo bis zum Oceanario de Lisboa und noch etwas weiter. die Wege sind mit vielen Bäumen bepflanzt, die den Spazierenden Schatten spenden. Es ist 28°C und eine leichte Briese weht durch die Gasse, dennoch wäre es ohne die Schatten wohl zu heiß für meinen Geschmack. Ein Stückchen weiter finde ich einen größeren Supermarkt. Davor parkt eine ganze Armada an Elektro-Rollern von Lime. So Einen bin ich in Stockholm bereits gefahren. In immer mehr europäischen Städten scheinen sich diese Dinger durchzusetzen. Leider akzeptieren viele noch kein Paypal, so dass man ohne Kreditkarte nichts davon hat.

Auf dem Rückweg finde ich noch eine Sammelstelle für Elektro-Fahrräder. Das Angebot schaut auch verlockend aus, doch ohne VAT Nummer)!(Steuernummer) kann man sich nicht registrieren. Diese habe ich jedoch (noch) nicht. Also bleibt mir weiterhin nur der Fußweg. Nach dem Mittagessen fahre ich wieder nach Hause, mittlerweile sind es 30°C und mein Körper weigert sich noch inständig, sich an das Klima zu gewöhnen. Ich hoffe das wird in den nächsten Tagen besser, sonst bin ich bis Ende August geschmolzen. Auf dem Heimweg halte ich nochmal im Supermarkt und Decke mich für den Rest des Wochenendes ein.

Irgendwann am frühen Abend höre ich das Schloss der Wohnung. Als ich den Flur betrete schließt eine weitere junge Frau gerade die Tür. Sie zuckt sichtbar zusammen, als ich ‚Hallo‘ sage. Sie schaut etwas verwirrt, und begrüßt mich dann aber auch. Sie war erst verwundert, warum ich davon ausgegangen bin, dass Sie deutsch spricht – aber Dänemark hatte mir ja bereits mitgeteilt, dass die andere aus Berlin stammt. Sie arbeitet eigentlich schon gar nicht mehr für unseren Arbeitgeber, aber da bei der Kündigung irgendetwas schiefgelaufen ist, wohnt Sie noch hier. Aber vermutlich nicht mehr lange, da Sie bestimmt bald rausgeschmissen wird. Sie ist 22 Jahre alt, und verdient sich derzeit als Stripperin ihren Unterhalt. Sie möchte am liebsten noch mehr von der Welt sehen, und sich dies mit dem strippen finanzieren. Ich bin etwas perplex, und mir auch nicht ganz sicher, dass sie das Ganze ernst meint, aber ich wünsche Ihr damit viel Erfolg. Warum auch nicht?

Gegen 20:45 soll die Sonne untergehen. Also mal schauen, ob ich ein paar tolle Fotos, oder gar ne Zeitrafferaufnahme vom Sonnenuntergang hinbekomme. Nur muss ich dazu erstmal ne gute Location finden. Musik auf den Ohren und das Stativ im Schlepptau mache ich mich auf den Weg. Unterhalb des Wohnviertels finde ich ein großes Gewerbegebiet. Ich laufe an vielen Autovermietern und Logistikfirmen vorbei. Die Flugzeuge, die westlich von mir starten werden immer lauter und immer größer. Dann sehe ich auf einer Hügelkuppe auch warum, ich befinde mich direkt an der Start- und Landebahn des Lissabonner Flughafens. Die Sonne wandert genau hinter diesem näher an den Horizont. Leider ist es durch den Zaun fast unmöglich schöne Aufnahmen zu bekommen. Also weiter richtung Osten. Ich wollte ja am liebsten das Wasser sehen. Leider gestaltet sich das hier auch als schwierig. Zwischen den Lagerhallen und Fabrikgebäuden kann ich immer wieder einen tollen Blick auf die Stadt bis zum Tejo erhaschen, doch durch die Zäune und Mauern bekomme ich nirgendswo einen guten Spot um das auch abzulichten.

Also zurück nach Prior Velho und auf der anderen Seite versuchen.
Hinter einem kleinen Tal – scheinbar ist da unten sogar so eine Art Staudamm – liegt ein weiteres Wohngebiet. Hier stehen deutlich kleinere Häuser. Die Straße ist zwar halbwegs sauber, doch Abseits der Straße liegt überall Müll herum. Bei genauerem Betrachten fallen an den Häusern überall Bretterverschläge und improvisierte Balkone samt Möbeln auf. Hier wohnt wohl eher die Unterschicht von Lissabon. Am Ende der Straße ist ein großer Hügel. Da ich mir eine tolle Aussicht verspreche, klettere ich einen Sandigen Pfad nach oben. Auf der Ebene hinter der Kuppe befindet sich das Ende der Start- und Landebahn. Die Sonne steht schon sehr Flach. Auf der anderen Seite kann ich bis zum Tejo sehen, jedoch versperren die Schnellstraße, einige Werbetafeln und ein paar Fabrikgebäude den Blick.

Schade, dachte ich mir. Mache trotzdem einige Fotos und mach mich wieder auf den Heimweg. So viel bin ich schon ewig nicht mehr gelaufen. Ich habe in den letzten 2 Tagen vermutlich mehr Kilometer zu Fuß zurückgelegt, als in den letzten 3 Monaten zusammen. Auch heute Nacht werde ich gut schlafen können.

Eigentlich wollte ich am zweiten Tag noch etwas mehr von der Stadt sehen, aber ich war dann einfach etwas kaputt. Ich muss mich noch an das Klima gewöhnen. Ich bin zudem zwischen 10 und 15km gelaufen, so viel wie schon seit ewigkeiten nicht mehr – auch daran muss ich mich erstmal gewöhnen. Ich tippe dies hier am Sonntag, und werde wohl gleich mal in die Altstadt von Lissabon aufbrechen. Wie bereits gesagt, Fotos findet Ihr auf meinem Instagram-Profil. Oben ist auch ein Link mit dem Ihr ohne eigenen Account alles sehen könnt.

Das Geräusch eines vorbeifliegenden Flugzeugs weckt mich wieder auf. Wir sind scheinbar deutlich näher am Flughafen, als ich ursprünglich vermutet habe. Ich habe völlig übersehen, dass das Fenster einen Spalt offen ist. Durch die verdreckten Scheiben sieht man eine Hand voll Bäume, denen nur wenig Platz gelassen wurde, um sich durch den gepflasterten Boden zu räkeln und den Autos auf dem Parkplatz Schatten zu spenden. Als ich das Rollo entdecke freue ich mich ein bisschen. Zuhause hatte ich das Rollo so gut wie nie oben, hier wird es vermutlich ähnlich ablaufen. Da ich im Erdgeschoss bin, habe ich zudem ein Schiebegitter am Fenster. Es wirkt jedoch eher so, als sollte mich das Gitter drinnen halten, statt Fremde draußen.

Unter dem Fenster steht ein wackeliger kleiner Schreibtisch. Weiß lackierte Presspappe mit 4 Beinen. Wer immer den Schreibtisch hier aufgestellt hat, wusste auch nicht, dass man die Beine justieren kann, um dem Kippeln entgegenzuwirken. Laptop aufgestellt, wie schaut es hier mit Internet aus.

Der Router steht einsam in einer Ecke im Flur und blinkt fleissig vor sich hin. Ein Blick auf die Unterseite verrät mir die Zugansdaten. Fix im Handy eingegeben:
– Verbindung wird hergestellt…
– IP-Adresse wird abgerufen…
– Verbunden (kein Internet!)

Ein guter Start. Direkt vom Router gefriendzoned. Aber wir kennen das Spiel, Hardware wird in Portugal das gleiche sein wie in Deutschland. Verkabelung geprüft, alle Stecker einmal gezogen und neu verbunden, das Gerät mal 5 Minuten vom Strom genommen…. aber nichts da. In Gedanken rechne ich mein verbrauchtes Datenvolumen mit den restlichen Tagen diesen Monat hoch und stelle mich schonmal seelisch und moralisch darauf ein, dass ich nur noch bis Dienstag Internet habe.

Naja, dann schauen wir uns erstmal den Rest der Wohnung genauer an. Im Wohnzimmer gibt es nicht viel zu sehen. Ein kleiner Tisch mit einem 32 Zoll Flatscreen, ein kleines Sofa samt IKEA Couchtisch. Und neben dem Kamin – weiß der Teufel wozu man bei den Temperaturen hier sowas braucht – ein kleiner Tisch mit 3 Stühlen. Die Badezimmer – 2 Bäder für 3 Personen ist ja schon fast Luxus – sind nicht groß, aber groß genug. Eins ist mit Dusche, eins mit Badewanne und beide mit Toilette und Waschbecken ausgestattet.
Die Küche ist modern mit Induktionskochfeld, separatem Ofen in Arbeitshöhe, und sehr viel Stauraum. Die Hälfte der Schränke ist leer. Die Schubfächer und Schrankabteile, in denen etwas steht, sind nichtmal annähernd halb gefüllt. Es wirkt nicht, als würde hier tatsächlich jemand „leben“.

Ich brauche einen Kaffe, und was zu essen. Ich habe seit dem Abendbrot bei meinem Cousin nichts mehr gegessen. Also erstmal raus auf die Straße und nen Café oder Imbiss gesucht. Es ist warm. Und es ist hell. Die Straße entlang sehe ich viele große Wohnkomplexe. Alle in Gelb, hellem Orange und Weiß gestrichen. Durch die Häuserschluchten pfeift der Wind. Die Hitze ist so sogar ganz gut auszuhalten. im direkten Umkreis stehen vorwiegend neubauten. keines der Häuser scheint älter als 5 Jahre zu sein. Ein Stück weiter die Straße runter jedoch sehe ich auch ein paar ältere Finkas, die mich schon eher an die Häuser erinnern, die man von Bildern aus dem Süden Europas kennt. Allgemein scheint hier in Prior Velho die Modernisierung ganz oben auf der Agenda zu stehen. Einige Häuser werden aktuell renoviert. Teilweise wird neu gebaut, doch dazuwischen stehen immer wieder heruntergekommene alte Gebäude, die teilweise mehr Bretterbude als Haus zu sein scheinen. Doch keine Zeit für Sight-Seeing, der Magen knurrt.

Ein Café ist leider nicht auszumachen, jedoch finde ich einen kleinen Supermercado – Minipreço. Erinnert ein bisschen an einen kleinen Nahkauf auf dem Dorf. Erstmal das wichtigste: Was zu trinken und was zu essen.
Die Brotauswahl ist hier eher bescheiden, auch Käse und Wurst gibt es kaum auswahl in dem kleinen Laden. Dafür ist das Angebot an Süßwaren und Knabberkram über jeden Zweifel erhaben. Kaffe – der Lösliche muss es erstmal tun – Zucker und Milch… Leite heisst Milch auf portugiesisch, aber welche ist nun welche? Ich bin es aus Deutschland gewohnt, dass da eine Zahl vorne drauf steht. 1,5% oder 3,5% – aber nichts dergleichen. Hier gibt es Leite Meio Gordo, und Leite Gordo – und noch gefühlt 12 andere Sorten. Ich entscheide mich spontan für Meio Gordo – was am Ende auf 1,5% Fettgehalt bedeutete. Gordo bedeutet also Fett. Meio Gordo wohl „ein bisschen Fett“. Wieder was gelernt.

Neben Kaffee kaufe ich noch Brot, Mortadella (die irgendwie eine ganz andere Farbe hat als in Deutschland), Käse, Bohnen, Zwiebeln und einen Brie. Damit sollte ich erstmal klarkommen. Außerdem einen 6L Kanister mit Wasser – das Leitungswasser hier ist extrem mit Chlor versetzt. Es riecht wie im Schwimmbad, wenn man den Hahn aufdreht. Einkaufen funktioniert, ich hoffe an dieser Stelle nur, dass es in der nähe auch größere Supermärkte gibt, die eine etwas bessere Auswahl haben. Auf dem Rückweg komme ich an einem noch kleineren Supermarkt vorbei. Der ist näher an meiner Wohnung, hat aber eher Kiosk-Charakter, scheint aber teilweise sogar billiger zu sein.

Wieder „zuhause“ – so fühlte es sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht an – koche ich erstmal einen Kaffee und esse ein Brot. Die Wohnung ist immernoch ruhig. Die anderen Bewohner sind noch nicht wieder da. Ein bischen neugierig bin ich ja schon, mit wem ich nun zusammenwohne. Eines der anderen Zimmer ist abgeschlossen. Das hatte die Dame vom Welcome-Team bereits festgestellt. Das Andere Zimmer stand einen spalt offen. Also einen Blick rein riskieren. Durch den Spalt sah man das zerwühlte Bett. Auf dem Schreibtisch ein Bild, dass ich aber nicht erkennen konnte. Auf der Kommode direkt neben der Tür lagen Schminksachen. Also eine Frau. Mehr kann ich durch den Spalt nicht erkennen. Zudem fühle ich mich ein bisschen Creepy, wenn ich jetzt noch weiter durch den Türschlitz spanne.

Also doch noch ein wenig das Viertel auskundschaften. Ich gehe durch die umliegenden Straßen, hier gibt es in den Häusern überall kleine Geschäfte. Ich sehe einen Frisör, ein Tierbedarfsgeschäft, eine kleine Bäckerei und verschiedene andere kleine Läden, bei denen aber nicht eindeutig ist, was diese machen, und ob diese überhaupt geöffnet haben. Nach ca. 5 Minuten sehe ich am Horizont das erste mal das Wasser. Der Tejo, der Fluss der vom Inland hier bei Lissabon in eine Art großen See fließt, der dann ins Meer mündet. Wäre hier nicht die Autobahn, diese vielen Hochhäuser und Werbereklamen, wäre das fast schon ein schönes Panorama. „Ich bin müde und Kaputt, das muss für den ersten Tag reichen.“ denke ich mir, und mach mich auf den Weg zurück. Die Würstchen – die ohne Haut, aber sehr würzig daherkommen – angebraten, die Bohnen und Zwiebeln dazu. Kein 5-Sterne Gericht, aber Narhhaft. Während ich esse höre ich einen Schlüssel am Schloss kratzen.

Ich sitze gerade an meinem Laptop und schaue einen Film beim essen, da huscht eine junge Frau an meiner offenen Zimmertür vorbei, tief in ihr Telefonat vertieft zuckt Sie bei meinem „Hello“ sichtlich zusammen, winkt kurz und verschwindet in Ihrem Zimmer. Später treffe ich Sie in der Küche. Nach einer kurzen Vorstellung halten wir einen Plausch in der Küche.
Sie ist schlank,etwa 1.75cm groß. hat blonde kurzgeschnittene und macht einen sehr quirligen Eindruck. Sie ist Dänin, 18 Jahre alt, und hat gerade ihren Highschool Abschluss gemacht. Seit 3 Wochen ist Sie in Portugal, das erste mal fort vom wohlbehütetem Zuhause. Bisher hat Sie sich hier recht alleine gefühlt, da die andere Mitbewohnerin – scheinbar eine Deutsche – fast nur Nachts arbeitet und nur selten zuhause ist – und dann meist schläft.

Es ist Zeit fürs Bett, die Müdigkeit ist so stark, dass ich trotz kreisender Gedanken binnen Minuten einschlafe.

Das Viertel Prior Velho liegt sehr dicht am Flughafen. Man hört hier eigentlich alle 10 Minuten einen Flugzeugstart. Wenn man durch das Küchenfenster hinausschaut muss man nicht weit nach oben schauen, um die startenden Flieger im Steigflug zu sehen. Die Häuser hier sind alle nicht alt, das Wohngebiet ist wohl noch nicht lange ein Solches. Es stehen nur vereinzelt ältere Häuser. Meine quirlige Mitbewohnerin meinte, Sie sei aktuell mehr in der Stadt unterwegs, da auch das Internet aktuell seit ca. 5 Tagen nicht funktioniere. Ich werde morgen wohl auch erstmal die Stadt erkunden…

„Heya Mama ma Heeheeheeeaaaaaaaa“…. Wir sind über dem kleinen Stück Land, das Spanien und Frankreich verbindet, als Dario G mit Sunchyme durch meine Kopfhöhrer erklingt. Ich finde es immernoch faszinierend, wie eine Konstruktion aus nem Magneten und nem Stück Stoff Töne so differenziert verschiedenste Instrumente und Gesang erzeugen kann.

Um in Lissabon zu Landen, müssen wir einmal um die Stadt herum fliegen. Das gab einen tollen Blick auf die Brücke, die ein bisschen an San Francisco erinnert. Wir waren nun gut 2 1/2 Stunden in der Luft, ich freue mich bereits darauf, meine Beine wieder bewegen zu können. Also raus aus dem Flieger, Gepäck geholt und weiter… „Oh, wo ist meine Gitarre?“.

Schade dass man nicht bei Aufgabe des Gepäcks informiert wird, dass Instrumente, Sportutensilien und andere Gepäckstücke, die besonders behandelt, oder besonders sperrig sind, nicht über das normale Gepäckband wieder ausgegeben werden. Nach ca. 20 Minuten Panik, 3 maligem Rotieren um die Gepäckausgabe-Bänder und mehrfachem Klopfen am leider nicht besetztem „Lost and Found“ der Airline wurde ich von einem sehr freundlichen Mitarbeiter über die Sonderausgabe aufgeklärt. Ich habe zwar 2-3 Lebensjahre verloren, 4 graue Haare und einen leichten Herzinfarkt bekommen, dafür habe ich meine Gitarre wieder.

Nach der Aktion wusste ich nicht genau, ob mir der Schweiß aufgrund der 28°C im Schatten, oder der eben erlebten Panik den Nacken hinab lief.
Also auf zum Treffpunkt. Mit nur ner halben Stunde verzögerung hab ich dann auch diesen erreicht. Nach einem kurzen Begrüßung ging es auch direkt zum Auto, alles eingeladen und los. Eine kurze Tour vom Flughafen in Richtung osten, konnte ich direkt das Begrüßungspersonal etwas überraschen. Im Auto mit mir war neben der Fahrerin noch 2 deutsche, die ein ähnliches Abenteuer beginnen wie ich. Einer davon sogar im selben Projekt. Beide sind 18 Jahre alt, haben gerade Ihre Schule beendet und ziehen vermutlich das erste mal aus dem behüteten Heim. Dass ich bereits die 30 überschritten habe, das hätte von den anderen im Auto niemand erwartet.

Nach ca. 15 Minuten Autofahrt erreichen wir das Gebäude, in dem ich die nächsten Tage, Wochen und Monate verbringen darf. Auf dem Weg sehe ich überwiegend Kommerzielle Gebäude, Lagerhallen und viele heruntergekommen wirkende Wohnhäuser – und Palmen, jede Menge Palmen. Ich werde nach Prior Velho in Louras gebracht. Das gehört zwar zu Lissabon, ist aber etwas außerhalb – dafür recht nah am Flughafen. Das Viertel besteht größtenteils aus größeren Wohnkomplexen. Hochhäuser, nicht die modernsten, aber solide. Meine Wohnung ist im Erdgeschoss, zumindest von der einen Seite. Das Schloss klemmt etwas, aber die Wohnung macht einen guten Eindruck. Es gibt wohl 3 Zimmer, 2 kleine Bäder, ein Wohnzimmer, eine Küche und einen Flur. Nach einer kurzen Tour und Untschreiben des Mietvertrages bin ich alleine in der Wohnung. Von meinen Mitbewohnern keine Spur. Der Kühlschrank ist fast leer. Viel scheint hier in der Wohnung also gar nicht passieren.

Ich stelle meine Sachen in mein Zimmer, checke kurz meine Nachrichten und lege mich erstmal eine halbe Stunde aufs Bett…

Der erste Eindruck von Lissabon ist eigentlich nur blauer Himmel und Hitze. Der Weg vom Flughafen führte aber größtenteils über die Schnellstraße, daher konnte ich nicht so wahnsinnig viel sehen. Fotos gibt es übrigens immer auf Instagram (Link oben in der Navigationszeile). Da ich die Nacht kaum geschlafen habe, brauchte ich erstmal ne Stunde um runterzukommen und mich etwas zu erholen. Aber ich bin am selben Tag noch vor die Tür gegangen…

Nach nichtmal 2h Schlaf schrecke ich hoch. Was war das für ein Geräusch? Etwas verwirrt schaute ich mich um.
Oh, ja, mein Wecker. Ich schnappe mein Smartphone, dass sich durch den Vibrationsalarm über den Tisch schlängelt als wollte es abhauen, und stelle den Wecker ab. 3:00 Uhr – warum habe ich mir eingetlich einen so frühen Flug gebucht, ich Depp!

Duschen, Koffer einladen, gegen 4:15 Uhr sind Mein Cousin, seine Frau und ich unterwegs zum Flughafen.
Die Autobahnen sind frei, nur ein paar Brummis liefern sich schon die ersten Elefantenrennen – aber kein Grund zur beunruhigung. Vor lauter Müdigkeit habe ich fast vergessen, dass ich das Land verlassen werde.

Am Flughafen angekommen, schnappe ich mein Gepäck – ich fühl mich wie ein Packesel. Koffer, Sporttasche, Rucksack, Gitarrentasche – alles zusammen bestimmt 40 bis 50Kg. Die Schlange am Check-In kann ich glücklicherweise einfach links liegen lassen, aber die Gepäckaufgabe hat eine gefühlt 2km lange Warteschlange. „Also bleibe ich doch in Deutschland“, geht mir nach einer ersten Hochrechnung nach 5 Minuten warten durch den Kopf, doch dann tut sich was. Was die Effizienz der Leute am Airport angeht habe ich mich scheinbar geirrt. Als es losging, musste ich der Schlange fast hinterherrennen.

Gepäck abgegeben, ab zum Sicherheitscheck. Auch hier läuft alles glatt, nur hatte ich meine Schraubenzieher in meinem Rucksack gelassen. Ich bin zwar etwas verwirrt warum, aber den 3,50€ teuren Phasenprüfer musste ich abgeben. Den etwa gleich großen Kreuz-Schraubendreher, der gar kein Plastik um das Metall hatte, den durfte ich behalten. Anscheinend hat mir noch ein Freund aus alten Tagen zugerufen, der nun beim Zoll arbeitet, aber ich hab nichts mitbekommen, da mich das Schraubenzieherparadox noch zu sehr beschäftigte.

Ich steige in den Flieger ein. Obwohl meine Tasche eigentlich zu groß und vermutlich auch zu schwer für das Handgepäck war, winkt mich das Personal einfach durch. Ich sitze im Flieger. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

„Ist das wirklich die richtige Entscheidung? Portugal ist warm, und ich neige zum Schwitzen, sollte ich nicht in ein kälteres Land fliegen? Oder besser gleich zuhause bleiben? Gibt es in Portugal Mett? Oder gute Bratwürstchen? Und wie ist die Brotkultur? Muss ich mir mein Bauernbrot selbst backen? Ich spreche kein Portugiesisch – komm ich mit Englisch klar? Haben die Cola und Fanta, und schmeckt das da genauso wie hier? Schaffe ichs, die portugiesische Waschmaschine zu bedienen? Atmen die da úberhaupt Sauerstoff?“

Bevor mir noch mehr idiotische Fragen einfallen, werde ich durch den Startvorgang in den Sitz gepresst. Ich beschließe mir vorerst keine weiteren Gedanken zu machen, und vielleicht etwas Schlaf nachzuholen. Musik an, Welt aus…

Ich konnte in der Nacht bei Maik wirklich kaum schlafen. Die Gedanken kreisten den ganzen Tag in meinem Kopf, und auch bis zum Abflug war ich ein verwirrter Ball aus zweifelnhaften Gedanken – aber mit genug Mut und Freude auf das Abenteuer um tatsächlich in den Flieger zu steigen. Aktuell sitze ich vor meinem Laptop und schwanke noch immer zwischen Vorfreude, Abenteuerlust und Neugier auf der einen, und Zweifeln, Heimweh und auch ner gehörigen Portion Schiss auf der anderen Seite.

Der Hund knabbert an meinem großen Zeh. Es ist ein großer Hund. Ein Mischling bei dem definitiv ein Schäferhund im Spiel ist. Ich zucke kurz zurück, dann verschwindet er wieder in das Nebenzimmer. Eigentlich ein liebes Tier, nur sehr verspielt.

Ich kann nicht schlafen. Ich bin eine Kombination aus todmüde, total aufgekratzt und traurig. So richtig habe ich an dieser Stelle – und auch zum Zeitpunkt, zu dem ich diese Zeilen schreibe – noch nicht realisiert, was nun passiert. Ich fühle mich ein bisschen wie Arhur Dent (achtung, Spoiler!), der auf dem Schiff der Vogonen nicht ganz realisiert, dass nicht nur sein Haus soeben abgerissen wurde, sondern der ganze Planet einer Hyperraumumgehungsstraße weichen musste.

Mein Zimmer habe ich heute Mittag noch leergeräumt, die letzten Kisten auf den Dachboden und meinen Koffer ins Auto getragen. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, als mein Mitbewohner dann seinen Schreibtisch und seinen PC in mein Zimmer räumte, da das Zimmer fortan als Büro herhalten soll. Ich bin noch den ganzen Nachmittag wie selbstverständlich in „mein Zimmer“ gegangen, und dann verwirrt wieder rausgekommen, weil es eben nicht mehr mein Zimmer ist.

Auch als ich mein Auto leergeräumt habe, und an meinen Großvater übergeben habe, war das ein sehr merkwürdiges Gefühl. Dabei hatte ich es gerade erst gewaschen. Sauber schaut die Karre gar nicht so schlecht aus, dachte ich mir noch, als ich die Schlüssel übergeben habe. Auch hier habe ich noch nicht begriffen, wie das nun wird, so ganz ohne Auto – noch dazu in einer Stadt, die ich nicht kenne.

Nun liege ich hier auf der Couch und versuche etwas zu schlafen. Die Playlist ist gerade auf „Save Tonight“ von „Eagle Eye Cherry“ umgesprungen. „Save tonigt, fight the break of dawn, come tomorrow, tomorrow I’ll be gone…“ singt er. Morgen bin ich weg – und zwar fast 2000km weit. Langsam döse ich weg…

Ich bin traurig, meine Freunde hinter mir zu lassen – auch wenn es nicht auf Ewig ist. Aber ich bin auch gespannt, was das Leben in Portugal für mich bereit hält. Es wird ein spannendes Abenteuer, und ich freue mich sowohl auf das Land und die Leute, aber ich freue mich auch jetzt schon umso mehr, meine Freunde wiederzusehen.

Das war doch ein Whiskey zu viel…

Bah, es ist Freitag, Karfreitag um genau zu sein, und einfach nichts passiert. In den Städten wirkt es wie Sonntag, im Fernsehen laufen die ollen Kamellen, die jedes Jahr zu Ostern laufen. Und auch sonst ist der Karfreitag der wohl langweiligste Feiertag im Jahr. Selbst am Totensonntag, von meinen Freunden auch freundlich „Happy Cadaver Day“ genannt, passiert mehr als an diesem Freitag.

Ein Tanzverbot, auf so Ideen können doch auch nur Christen kommen. Eine Biblischer Charakter, der sich selbst – vermutlich bei einem seiner Saufgelage – Sohn Gottes nannte. Es ist nicht, dass ich Christen nicht mag, es ist auch nicht, dass ich ihren Glauben als Falsch hinstellen möchte. Jeder soll an das Glauben, an das er mag, dass er für richtig hält. Aber nur weil diese Person (von der ich durchaus glaube, dass es Sie gegeben haben könnte – nur eben nicht ganz so „göttlich“ wie die Katholiken das gerne hätten – am heutigen Tag vor fast 2000 Jahren gestorben sein soll einen deutschen Freitag total Öde zu machen, halte ich für egoistisch und gemein.

Aber naja, so ist das Christentum, Das passiert, wenn man einen alten Sack an die Führungsspitze setzt, der das Wort Party und die Bedeutung des Freitags für das Proletariat (vor allem die Jüngeren anhänger) allerhöchstens irgendwo mal gelesen hat…

Ich wünsch euch allen dennoch ein schönes Osterfest 😉

Alles neu macht für gewöhnlich der Mai, für mich ists dieses Jahr aber der April. Neues Design im Blog, neues Versprechen mal wieder was für den Blog zu schreiben, und in einer neuen Wohnung bin ich nun auch Untergekommen. Alleine diesmal, nix mehr mit WG.

Ein bisschen vermisse ich aber das WG Leben schon. Man kann nicht mehr einfach am Nachbarzimmer klopfen, wenn einem langweilig ist, und die Wohnung muss nicht mehr nur alle 3 Wochen mal geputzt werden.

Aber es hat auch vorteile. Ich hab meine Ruhe, nachm Duschen muss ich nicht versuchen möglichst FIX durch den flur zu sprinten, wenn ich mal wieder meine frischen Klamotten im Zimmer hab liegen lassen, und vor allem weiss ich, wer meine lieblingsschokolade schonwieder aufgegessen hat.

Ausserdem bin ich ja nicht ganz alleine, ein kleiner, verrückter, total schmusebedürftiger Kater wohnt nun bei mir, getauft Kami – eigentlich mit dem Hintergrund der Kamikatze… aber ich habe festgestellt, dass ich den Leuten lieber erzählen sollte, dass Kami japanisch für Gott / göttliche steht…

Naja, genug. Ich wollte den Blog nur mal wieder ein bisschen aktualisieren. Neue Texte folgen aber nun (hoffentlich) wieder regelmäßiger…

Überall begegnen Sie einem. Sie sind mal schwarz, mal weiß, mal rot, manchmal sogar pink. Egal ob im Bus, im Zug, auf der Straße, oder in den Märkten oder Geschäften. Überall, wo sie gleich mehrfach auftauchen herrscht eine ungewohnte Stille. Als vor ein paar Jahren im Bus oder Zug noch rege Konversation gehalten wurde, hätte es keiner für Möglich gehalten.

Ich will nicht lügen. Auch ich nutze sie, diese soziallebenkiller. Man kann einfach abschalten, die Welt ausblenden. Doch manchmal nerven sie mich doch, diese weißen, schwarzen, roten und manchmal auch pinken Konversationsblockaden.

Aber genug gemeckert. Stöpsel rein, Musik an, Welt aus.

Irgendwie ist das ja schon ein kleines Ritual, das mit den neuen Kleidern. Jedes Jahr gabs bei mir eine kleine Renovierung, so auch dieses Jahr.

Ich bin immernoch nicht ganz zufrieden mit der Optik. Unter Linux schauts gut aus, aber ne passende Windowsschriftart folgt die Tage noch. Und auch so kann es immer mal passieren, dass hier und da noch ein wenig was angepasst wird. Aber im Großen und Ganzen gefällts mir ganz gut.

Texte wird es natürlich auch bald wieder geben. Ich wünsch euch viel Spass mit der neuen Optik!