Archive for the ‘Lyrik’ Category

Und wieder steh ich in der Bar, der Tequila löst meine nicht grad positiven Gedanken allmählich in wohlgefallen auf. Zumindest vorerst. Auch ich habe mittlerweile begriffen, dass diese Gefühle, diese Gedanken, der ganze Scheiss eben irgendwann wieder zum Vorschein treten.

„Noch einen bitte!“ Wow, höflich bin ich heute. Ich fühl mich ein bisschen wie der Säufer aus dem kleinen Prinzen:
„Warum trinkst du?“ „Ich trinke um zu vergessen.“ „Was willst du denn vergessen?“ „Ich will vergessen, dass ich mich schäme.“ „Und warum schämst du dich?“ „Ich schäme mich, weil ich saufe…“
Und ja, ich schäme mich. Nicht weil ich saufe, die Rechnung dafür bekomme ich sowieso am nächsten Morgen. Ich schäme mich dafür, dass ich immer alles vermassel, was ich in die Finger bekomme. Meinen Job, meine Beziehung, mein Leben.

„Noch einen! Achwas, lass gleich die ganze Flasche hier!“
Ich werde heute sowieso keinen Stich mehr landen, da kann ich mir auch richtig die Kante geben…

Langsam kriecht der Morgen über den Horizont. Es ist noch dunkel, die Sonne braucht noch ein paar Minuten, bevor Sie sich über den Hügel hinter mir quält. Die Stille verfolgte mich die ganze Nacht, doch so langsam hallen die Stimmen der Vögel durch die noch Kalte Luft. Die Nacht gehört noch immer dem Winter, aber in ein paar Stunden wird die Sonne den Frühling endgültig einleiten.

Es ist nun schon fast 5 Monate her, dass meine Wohnung, und alle umliegenden Gebäude bei einer Explosion dem Erdboden gleich gemacht wurden. Eine Gas-Explosion sei es gewesen, und pures Glück war es für mich, dass ich an dem Tag 10 Minuten länger an der Arbeit war. Doch die Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf. Das gleissende Licht, die schemenhafte Gestalt, dieses Gesicht. Seitdem bin ich auf der Suche, seitdem will ich rausfinden, was hier genau vor sich ging, denn eine Gas-Explosion sieht laut meinem Wissen anders aus.

Ich habe mittlerweile ein paar andere Menschen kennengelernt, denen Ähnliches widerfahren ist. Jedesmal war es eine Explosion, und jeder hat eine Gestalt in einer Art Schutzblase gesehen. Die Beschreibungen der Geschehenisse sind immer die Gleichen, nur die Gestalt in der Blase wird jedesmal anders Beschrieben, so als hätte jeder von uns einen eigenen Schutzengel gehabt. ICh bin nun unterwegs eine weitere Person zu treffen. Er nennt sich im Internet nur „Der Alte“. Und er behauptet, er habe mit einer dieser Gestalten geredet…

Ich hasse die spätschicht. Nicht an sich, aber den Heimweg. Nach 20 Uhr fahren nur noch spärlich Busse durch die Stadt, also bin ich gezwungen zu laufen. Dabei laufe ich gern. Ich liebe es durch das kleine Waldstück zu wandern, das auf meinem Heimweg kurz vor der Siedlung liegt, in der ich wohne. Aber nicht nach 8 Stunden Arbeit, da will ich nur schnell auf meine Couch. Der Schotter raschelt leise unter meinen Schritten. In meinem Kopf hallen die Worte von Depeche Modes „Enjoy the Silence“ wieder.

Vor mir liegt das letzte Stück bis zu hause. Ein kleiner Pfad um den dir Bäume einen Bogen zu machen scheinen. Ich spüre einen Windzug, dicht gefolgt von einer Kugel gleissenden Lichts, die alles hinter sich mitzureissen scheint. Der Zug macht es mir schwer auf den Beinen zu bleiben. Dann ein lautloser Knall. Die Kugel breitet sich zu einer hellen blauen Flammenwolke und scheint alles zu verbrennen. Der Rest läuft wie in Zeitlupe.

Es reisst mich von den Beinen. Im Fall seh ich plötzlich ein Gesicht. Engelsgleich trotz voller Schrecken. Sie ruft mir etwas zu, doch ich kann Sie nicht hören. Kurz bevor ich auf den Boden aufschlage wird vor meinen Augen alles schwarz…

Und wieder hör ich des Bettes Rufe,
wie es laut zur Bettruh schreit.
Doch auf meiner ew’gen Suche,
kann auch der Schlaf mich nicht befreien.
Drum liege ich im totenstillen
Gedankengut kämpft mit dem Willen
in den erlösenden Schlaf zu fallen…

Solch wirren Worte geistern durch meine vor Schlaflosigkeit verknoteten Synapsen. Nachts. Um 1. Gute Nacht!

Der Blick gen Himmel verrät mir, es wird eine kühle Nacht. Die Temperaturen sind alleine in derr letzten halben Stunde um 5°C gefallen. Ich werfe noch schnell einen Pulli in meine Tasche, schnappe meine Schlüssel und gehe los. Der Mp3-Player meines Handys versorgt meine Ohren mit Musik. „Gimme, gimme, gimme. I need war“ hallt Maynard James‘ Stimme durch meinen Kopf. Und in Gedanken gebe ich ihm Recht. Einen Krieg wird es geben, jetzt wo ich meinen Gegner kenne, und weiss wozu er in der Lage ist…

Ein leises Ticken. Langsam wandern die Zeiger über das Ziffernblatt des alten Metallweckers. Tick. Tack. Eigentlich bin ich müde, eigentlich wollte ich schon seit Stunden schlafen. Doch irgendetwas lässt mich nicht.

Vielleicht sind es die Gedanken an die Geschehenisse der letzten Tage. Vielleicht ist es der Kaffee, den ich viel zu spät noch getrunken habe. Vielleicht ist es auch das Gewitter, das vor meinem Fenster sein unwesen treibt.

Der Mann im Radio gibt die Verkehrsmeldungen durch, danach folgt Bitter Sweet Symphony von The Verve. Mein Geist lässt doch langsam der Müdigkeit den Vortritt. Ich nehme noch die letzten Zeilen des Songs wahr, dann schlafe ich ein. Endlich.

Es folgt ein Gastbeitrag von Paul Kemp. Ich bin zwar nicht immer seiner Meinung, aber verdammt oft.

Liebe, das Gefühl überhaupt. Ein einzigartiger Kick, gegen den selbst jegliche Drogen erblassen. Wenn ein Mensch alles für nichtig macht, was einen sonst berührt. Wenn er das Denken fokussiert, einzig auf sich alleine. Man will nichts anderes, es gibt nichts anderes, das Sein gleitet dahin auf einer zauberhaften rosa Wolke. Unfassbar. Das Gefühl, zu lieben, und das unbeschreibliche Gefühl, geliebt zu werden, jemand erwidert den totalen Wahn, nur wegen einem selbst. Spürt man den Wahn, sollte man sich direkt erschießen. Besser wird es auf lange Sicht nicht werden und man tritt ab in einem der größten Augenblick des Lebens. Die happy.

Die Sonne kriecht langsam über den Berg. Die große Uhr springt grade auf 05:00 Uhr um, bald ist es also soweit. Die Messinstrumente sind aufgestellt und justiert. Um mich herum wuseln dutzende von Wissenschafltern herum. Das ganze Gelände, ein großer Ring aus Stahl und Beton, wird vom Militär überwacht. Um den Ring stehen tausende von Soldaten in Formation, unterstützt von diversen Panzern. Ein paar Kampfhelikopter kreisen um das Gelände, alle sind sichtlich nervös. Sie haben Angst, nein, sie haben einen Mordsschiss.

Ich bin auf einer Bahre gefesselt, grade so, dass ich nicht weglaufen kann. Mehr hätte eh keinen Sinn, das wissen auch die Wissenschaftler. Momentan bin ich ein schwacher kleiner Kerl, durchschnittsgroß, durschnittsschwer, purer durschschnitt halt, aber wenn die Sonne erstmal komplett hinterm Berg hervorkommt, wird die Bestie in mir wach.

Meine Muskeln wachsen, meine Sinne schärfen sich, mit jedem bisschen Energie, die mir von der Sonne zuteil wird, werde ich mehr und mehr zu einem Monster, und ich kann mich nicht dagegen wehren. Aber das will ich auch gar nicht, ich habe keine Angst mehr vor meinem wahren ich, denn ich kenne nun meine Bestimmung, und nichtmal die gesamten Militärkräfte der Welt könnten mich nun noch aufhalten…

Ein aschfahles Gesicht starrt mich an. Die gefallenen Gesichtszüge, die dunklen Augenringe, der deprimierende Blick verrät mir, dass es um mein Gegenüber nicht gut steht. Er ist traurig, enttäuscht, müde und gequält. Von seinen Mitmenschen, von der gesamten verdammten Welt. Er würde gerne flüchten, in ein neues Leben, in eine andere Welt. Im Zweifelsfall würde er gar den Tod vorziehen als weiter dieses heuchlerische Leben zu führen.

Der Zug verlässt den Tunnel, und eine graue, verregnete Landschaft tritt an die Stelle, wo eben noch mein Spiegelbild zu sehen war.

Ich hetze durch den kahlen Wald. Ich habe so lange gewartet, meine Lust ist kurz vor dem Höhepunkt. Ich verfolge ihn schon seit einer halben Stunde. Es ist nicht leicht in der großen Stadt jemanden alleine zu erwischen, doch nun wandert er hilflos durch den Wald.

Ich wittere seinen duft, sein Blut. Es bringt mich in Wallung. Mit jeder Minute pulsieren meine Adern, meine Arme werden stärker, meine Beine schneller und schneller. Ich sehe ihn und setze zum Sprung an.Meine spitzen Zähne graben sich in sein warmes Fleisch. Das Blut spritzt und fließt, so dass ich bald über und über mit Blut bedeckt bin. Der Schrei meines Opfers hallt durch den ganzen Wald, doch nicht sehr lange. Voller Lust und völlig ausser Kontrolle beiße ich mich durch mein Opfer, bis nur noch der blutrote Schnee und die Knochen erahnen lassen, dass er mal war.

Das Gefühl des Triumpfes und die Euphorie des Mordes bringen mich in Extase. Ich habe so lange gewartet, und freue mich jetzt schon auf das nächste mal, auf den nächsten Vollmond.