Alfama

Donnerstag, August 22, 2019

„Eigentlich wollte ich ja mal so richtig ausschlafen“, denke ich mir, als ich um 5.34 Uhr auf mein Handy schaue. Selbst nach deutscher Zeit wäre das noch viel zu früh um überhaupt aufzustehen. Nach einigen Drehungen um die eigene Achse und dem Verknoten der Bettdecke mit meinen Gliedmaßen kletter ich um kurz nach 6 dann doch aus dem Bett. Einen Kaffe und ein Sandwich später, mache ich mich erstmal an meinen Laptop. Es ist erstaunlich, wie oft ich beim Schreiben der Texte irgendwas im Internet nachschauen wollte, nur um dann festzustellen, dass das WLAN noch so unnütz ist, wie alkoholfreies Radler.

Gegen 12 mache ich mich wieder zum Bus auf. Heute möchte ich mal Seite 1 der Google Bildersuche zum Suchwort Lissabon sehen, nur eben in echt.
Ein kurzer Blich auf die Karte zeigt jedoch, dass das wohl ein mehrere Wochenenden andauerndes Projekt werden wird. Dennoch ist die Altstadt – also Alfama. Da ich die Buslinien und die Metro noch nicht ganz durchschaut habe, fahre ich erstmal zur Estação do Oriente. Also ich aus dem Bus komme, stolpere ich fast über einen LIME-Roller. Da ich die App noch installiert (und mit der Kreditkarte meines Bruders verknüpft habe) schnappe ich mir den Roller. Code gescannt, bestätigt, kurt auf die Karte geschaut und dann vollgas – und ja, natürlich habe ich meinen Bruder vorher informiert!

Ich fahre mit dem Elektro-Scooter direkt am Tejo entlang. Am Anfang erstrecken sich neben mir noch große Bürogebäude, ein Kasino, und dann recht teuer aussehende Wohngebäude. Links zieht eine durch die Ebbe recht sumpfige kleine Bucht, und dann die Marina de Lisboa an mir vorbei, hier stehen viele Boote, die meisten davon sehen nicht unbedingt nach Discount-Ware aus. Nach einigen kleinen Cafés und ein paar Restaurants am Wasser ändert sich das Bild. Der Weg wird uneben, und ich fahre an vielen teilweise sehr heruntergekommenen Lagerhallen vorbei. Links parkt ein großes Schiff. Es sieht aus wie ein Passagierschiff, dass hier neben den Lagerhallen jedoch völlig deplaziert wirkt. Ein Stückchen weiter dann ein Neubaugebiet. Hier werden scheinbar Luxusapartments gebaut. Von den 3 Gebäuden sieht aber erst eins fertig aus. Innen sind alle 3 noch leer – dafür ist der Park schon sehr ansehlich. Die Wiesen im Park werden aktuell gewässert. Einige der Spränkler sind nahe des Fahradweges, über den ich gerade fahre – eine willkommene Erfrischung bei 31°C. Leider muss ich an der Stelle ein wenig vom Wasser wegfahren. Rechts ist eine 4 spurige Straße, die von Alfama bis nach Parque das Nacoes führt – das ist dort, wo ich arbeiten werde. Links erstrecken sich viele Lagerhallen und Lastenkräne. Der Frachthafen von Lissabon. Hier scheint der Sonntag jedoch auch heilig, denn bis auf einige andere Fahrad und Rollerfahrer sehe ich niemanden. Auf der rechten Seite wechseln sich neue Gewerbegebäude mit fast zerfallenen Wohn- und Fabrikgebäuden. Man sieht Lissabon an vielen Stellen an, dass es gerne eine moderne und saubere Stadt wäre, es sich aber doch nicht alles auf einmal leisten kann.

Nach ca. 4,75€ – also 8,65 km in ca 25 Minuten sehe ich das erste mal ein von Google bekanntes Panorama. Vom Hafen aus schaue ich hoch in die Alfama. Ein schöner Ausblick. Also Roller abgestellt, und einmal hoch zum Panteao Nacional. Vom dort aus bin ich ein wenig durch die engen kleinen Gassen gewandert. Wer dachte in Marburg gibt es viele Treppen, war noch nie in Lissabon!
Nach einer knappen Stunde hin und her und Foto hier und Foto da, brauchte ich mal eine Pause. Ausserdem war der ursprüngliche Plan ein Café mit WLAN zu finden, dort einen Kaffe und vllt ein Toast oder ein Stück kuchen zu bestellen und dann mal den Laptop anzuschmeissen um 1. diese Beiträge hier hochzuladen und zu planen, und zweitens eventuell eine Netflix Serie für die Abendlichen Stunden ohne Internet herunterzuladen.

Nach kurzer Suche habe ich auch ein entsprechendes Kaffee gefunden. Der bestellte Cappuchiono war zwar eher ein Mokka mit Milch, aber hauptsache Koffein. Dafür war das Thunfisch-Sandwich sehr gut. Leider war das WLAN nicht sehr flott, so dass es zwar für eine Aktualisierung meiner Spotify-Playliste gereicht hat, aber Netflix ist nicht über die Meldung „Wird bald heruntergeladen“ hinausgekommen.

Also noch ein wenig durch die Gassen gestreift. Da mir jedoch bald der Schweiß von der Stirn tropfte wollte ich mich auf den Heimweg machen. Wieder einen der Roller geschnappt, und die gleich Strecke zurückgefahren. Unterwegs ein kleines Rennen gegen einen Fahradfahrer gewonnen – später sollte er mich jedoch wieder einholen.
Die Lime-S Roller hier in Lissabon scheinen einen Tick schneller zu sein, als die Geräte in Stockholm. Selbst mich haben die Roller locker mit 24km/h durch die Stadt getragen, nur bei stärkeren Steigungen musste ich mich mit 18 bis 20 km/h begnügen. Nach Hause wieder mit dem Bus. Ich bin diesmal zwar nur knapp 8km gelaufen, die 17km auf den Rollern haben mich aber auch ganz gut durchgeschüttelt. Zurück im Apartment bin ich erneut nur ins Bett gefallen. Morgen beginnt meine Schulung, und damit der Ernst des Lebens für mich…

Das war mein Sonntag. Da ich am Montag fit sein wollte, hatte ich eigentlich mit nicht allzu viel geplant, war am ende aber trotzdem fast 5h in der Stadt unterwegs. Diese Zeilen tippe ich übrigens erst am Mittwoch, da ich Aufgrund der Schulung und Einkaufen und anderer Dinge nicht mehr so viel zum tippen kam. Aus Datenschutzgründen werde ich zu Schulung und Arbeit nur hier und da sporadisch etwas schreiben. Jedoch werde ich ab sofort irgendwie 1-2 mal die Woche ein spezielles Thema aufgreifen. Dies kann von speziellen Situationen (Supermarkt, Restaurantbesuch, etc) handeln, kann aber auch mal eher Tagebuch-ähnlichen Charakter haben – dann aber lange nicht so ausführlich wie mein erstes Wochenende. Folgt mir auf Instagram, oder schaut über den Link oben ab und an mal rein. Ich freue mich zudem über jeden Kommentar – und auch wenn ich nicht immer antworte, lese ich die alle! Liebe Grüße aus Lissabon!

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