Abflug!

Sonntag, August 18, 2019

Nach nichtmal 2h Schlaf schrecke ich hoch. Was war das für ein Geräusch? Etwas verwirrt schaute ich mich um.
Oh, ja, mein Wecker. Ich schnappe mein Smartphone, dass sich durch den Vibrationsalarm über den Tisch schlängelt als wollte es abhauen, und stelle den Wecker ab. 3:00 Uhr – warum habe ich mir eingetlich einen so frühen Flug gebucht, ich Depp!

Duschen, Koffer einladen, gegen 4:15 Uhr sind Mein Cousin, seine Frau und ich unterwegs zum Flughafen.
Die Autobahnen sind frei, nur ein paar Brummis liefern sich schon die ersten Elefantenrennen – aber kein Grund zur beunruhigung. Vor lauter Müdigkeit habe ich fast vergessen, dass ich das Land verlassen werde.

Am Flughafen angekommen, schnappe ich mein Gepäck – ich fühl mich wie ein Packesel. Koffer, Sporttasche, Rucksack, Gitarrentasche – alles zusammen bestimmt 40 bis 50Kg. Die Schlange am Check-In kann ich glücklicherweise einfach links liegen lassen, aber die Gepäckaufgabe hat eine gefühlt 2km lange Warteschlange. „Also bleibe ich doch in Deutschland“, geht mir nach einer ersten Hochrechnung nach 5 Minuten warten durch den Kopf, doch dann tut sich was. Was die Effizienz der Leute am Airport angeht habe ich mich scheinbar geirrt. Als es losging, musste ich der Schlange fast hinterherrennen.

Gepäck abgegeben, ab zum Sicherheitscheck. Auch hier läuft alles glatt, nur hatte ich meine Schraubenzieher in meinem Rucksack gelassen. Ich bin zwar etwas verwirrt warum, aber den 3,50€ teuren Phasenprüfer musste ich abgeben. Den etwa gleich großen Kreuz-Schraubendreher, der gar kein Plastik um das Metall hatte, den durfte ich behalten. Anscheinend hat mir noch ein Freund aus alten Tagen zugerufen, der nun beim Zoll arbeitet, aber ich hab nichts mitbekommen, da mich das Schraubenzieherparadox noch zu sehr beschäftigte.

Ich steige in den Flieger ein. Obwohl meine Tasche eigentlich zu groß und vermutlich auch zu schwer für das Handgepäck war, winkt mich das Personal einfach durch. Ich sitze im Flieger. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

„Ist das wirklich die richtige Entscheidung? Portugal ist warm, und ich neige zum Schwitzen, sollte ich nicht in ein kälteres Land fliegen? Oder besser gleich zuhause bleiben? Gibt es in Portugal Mett? Oder gute Bratwürstchen? Und wie ist die Brotkultur? Muss ich mir mein Bauernbrot selbst backen? Ich spreche kein Portugiesisch – komm ich mit Englisch klar? Haben die Cola und Fanta, und schmeckt das da genauso wie hier? Schaffe ichs, die portugiesische Waschmaschine zu bedienen? Atmen die da úberhaupt Sauerstoff?“

Bevor mir noch mehr idiotische Fragen einfallen, werde ich durch den Startvorgang in den Sitz gepresst. Ich beschließe mir vorerst keine weiteren Gedanken zu machen, und vielleicht etwas Schlaf nachzuholen. Musik an, Welt aus…

Ich konnte in der Nacht bei Maik wirklich kaum schlafen. Die Gedanken kreisten den ganzen Tag in meinem Kopf, und auch bis zum Abflug war ich ein verwirrter Ball aus zweifelnhaften Gedanken – aber mit genug Mut und Freude auf das Abenteuer um tatsächlich in den Flieger zu steigen. Aktuell sitze ich vor meinem Laptop und schwanke noch immer zwischen Vorfreude, Abenteuerlust und Neugier auf der einen, und Zweifeln, Heimweh und auch ner gehörigen Portion Schiss auf der anderen Seite.

One Comment

  1. Niklas Pohl sagt:

    Oh Wunder, dazu hab ich auch was zu sagen!
    Um einen guten Bekannten aus der Berufsschule zu zitieren:

    „Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen.“

    In diesem Sinne, mach dir nicht so viele Zweifel, ob sich das als Fehler herausstellt merkst du eh erst wenn du voll unter die Gleise gerätst. Abgesehen davon, bin ich ziemlich sicher das die Portugiesische Regierung vor langer Zeit entschieden hat das, trotz dem Fakt das Menschen Sauerstoff zum Leben benötigen, der Großteil der Gase in ihrem Teil der Atmosphäre von Stickstoff dominiert wird.
    Wunderbarer Beitrag! Ohren Steif halten! Weitermachen! Und auf jeden Fall den Spaß dabei haben nicht vergessen :D.

    P.S.: Die Sirene befindet sich derzeit in meinem Warenkorb.

    P.P.S.: Fühl dich gedrückt, am besten jetzt.

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